.... aber dazu spaeter.
Heute Morgen haben wir erst einmal gelernt zu meditieren. Aber nicht in irgendeinem Tempel, sondern im wichtigsten Tempel der Rinzai-Schule (Zen-Buddhismus) - im Myoshin-ji.
Dort gibt es neben der 650 Jahre alten Meditationshalle auch noch das 1380 erbaute Eingangstor zu sehen. Aber dafuer blieb nur die Zeit ein Foto zu schiessen.
Wir wurden zunaechst von einem Moench in die Meditationshalle gefuehrt. Da war es ziemlich dunkel drin und auf stuhlhohen Podesten lagen Tatamis und zwei Kissen. Bei der Meditation gibt es 5 Stufen, die man nach und nach abarbeiten muss um die Erleuchtung zu erlangen:
1. Die richtige Sitzhaltung
2. Die richtige Handhaltung
3. Die richtige Atmung
4. Das Bewusstsein der Gefuehle
5. Das Befreien oder Steuern von Gefuehlen
Der Moench fing also an uns alle in den Schneidersitz setzten zu wollen. Aber nicht den normalen, wie wir ihn alle kennen, sondern der Span des einen Fusses soll auf dem Oberschenkel des jeweils anderen Beines ruhen. Das sei wichtig um einerseits gerade zu sitzen und andererseits sich nicht zu bewegen. Damit fing schon das Problem an. Er sah ein, dass er wohl der einzige im Raum war, der so gelenkig war und sich so setzen konnte.
Daher durften wir uns gerade wie auf einen Stuhl setzen. Wichtig ist nur, dass die Knie ca 10 cm tiefer sind als der Steiss.
Die Handhaltung war einfach nachzuvollziehen, aber zu kompliziert jetzt hier zu beschreiben. Sagen wir einfach, wir verschraenkten locker die Haende ineinander.
Dann die Atmung. Ziel ist langsames Aus- und schnelles Einatmen. Im Zyklus 18 zu 2 Sekunden. Also 18 Sekunden aus- und 2 Sekunden einatmen. Dabei den Oberkoerper nicht bewegen. Zwerchfellatmung.... die Musiker unter den Lesern werden das kennen.
Bis hierher konnten wir noch folgen.
Danach wird die Sache richtig kompliziert. Also man soll sich quasi soweit nur auf die Atmung konzentrieren, dass einem Nebengeraeusche nicht mehr ablenken. Dann wird man sich seiner Gefuehle bewusst. Und die Stufe danach ist dann, diese Gefuehle bewusst zu steuern.... so habe ich das jedenfalls verstanden. Allerdings war die Uebersetzung der Reiseleitung etwas schwer verstaendlich.
Naja... wir werden an uns arbeiten um zur Erleuchtung zu gelangen.
Die Meditation dauerte etwas laenger als geplant und so fuhren wir mit etwas Verspaetung zum Kyomizu Tempel (das bedeutet "Reines Wasser").
Der Tempel liegt am Hang eines Berges dem eine Heilquelle entspringt. Das Hauptgebaeude hat einen riesigen Balkon, der von grossen Balken gestuetzt wird. Die Region des Berges ist bekannt fuer seine Toepferarbeiten.
Witzig ist, hinter dem Hauptgebaeude sind mehrere kleine Shinto Schreine zu sehen. Die verschiedenen Gottheiten versprechen allerhand Wuensche zu erfuellen, aber am kuriosesten fand ich das Liebesorakel. Etwa 20 m von einander getrennt lagen zwei grosse heilige Steine. Man soll sich nun an das eine Ende stellen und mit geschlossenen Augen zum anderen Stein laufen. Diesen muss man ohne Zwischenfaelle erreichen und davor anhalten ohne zu schummeln und ohne dagegen zu rennen. Schafft man das, dann findet man schnell seinen Lebenspartner. Schafft man das nicht, dann wird man noch lange auf seine bessere Haelfte warten muessen. Ich haette das ja mal gemacht. Leider waren soviele Touris im Weg, das ich nie ohne Zwischenfall den zweiten Stein erreicht haette..... und ich habe doch meinen Schatz schon!
Witzig war auch ein Stein, der vor dem Tempel lag. Da war naemlich Buddhas Fussabdruck drauf!
Und zu Mittag habe ich die erste Sushibar gefunden. Bisher hatte ich noch keine einzige entdeckt. Ich habe mir fuer nicht mal 8 Euro den Bauch vollgeschlagen. Fuer diese Menge Sushi haette ich in Deutschland locker 35 Euro zahlen muessen.
Dann fuhren wir noch zum Heian-jingu Schrein. Dieser ist erst 110 Jahre alt. Er wurde zum 1100jaehrigen Stadtjubilaeum Kyotos und zu Ehren der Kaiserfamilien, die in Kyoto wohnten, gebaut. Er ist quasi eine Reproduktion der alten Kaiserresidenz in Kyoto. Daher befinden sich auch, wie beim Kaiserpalast, rechts vor der Gebetshalle ein Kirschbaum und links davor ein Orangenbaum. Wie die Adelshaeuser im allgemeinen, ist der Schrein relativ bunt gestaltet, mit viel zinnoberrot und graublauen Dachschindeln. Wir sahen uns noch den Garten des Schreins an. Dieser besteht aus vier Teilen, die in den vier Himmelsrichtungen angeordnet sind.
Gerade als wir aus dem Garten kamen lief uns ein vielleicht 5jaehriges Maedchen mit Kimono ueber den Weg. Sie wurde gegen ihren Willen gezwungen sich von allen Seiten von unserer Reisegruppe fotografieren zu lassen. Aber die Kleine sah einfach so suess aus. Wie ein Puppe.
Vorletzte Station des Abends, das Handicarft Center. Das ist eigentlich ein Ballungszentrum fuer Turis um japanische Souvenirs zu kaufen. Was soll ich sagen... die Versuchung war zu gross. Ich habe mir einen Kimono gekauft. Einen echten! Nicht so ein Polyesterteil "Made in Taiwan". Nein, ich habe ja nach etwas schlichtem gesucht. Zuletzt habe ich einen Seidenkimono entdeckt, handbemalt und handbestickt mit einem Papagei (oder so ein Vogel). Das gute Stueck hat zwar auch den stolzen Preis von 55000 Yen, aber es ist wirklich ein Schmuckstueck.
Stephan aus der Reisegruppe, der auch ein totaler Japanfreak ist, hat sich eine Yukata gekauft (quasi ein Samuraikostuem). Und was soll ich sagen, da heute Abend ein gemeinsames Abendessen geplant war, konnten wir nicht widerstehen und sind in Kimono und Yukata in die Kneipe gegangen. Der Brueller. Zunaechst mal sind wir von der gesamten Reisegruppe mit Applaus empfangen worden und die Fotoapparate wurden auch sofort gezueckt. Nach dem Essen hat uns die Reiseleitung noch durch das Geisha (oder vielmehr Maiko) Viertel Kyotos gefuehrt. Zu Fuss. Die Japaner sind fast aus den Latschen gekippt. Also normalerweise werden wir Auslaender hier in Japan ja kaum wahrgenommen. Hast du einen Kimono an, machen alle grosse Augen, jeder gruesst dich, alle staunen und mustern dich. Einer kam mit dem Fahrrad auf mich zu (in Japan muessen Radfahrer auf dem Gehweg fahren. Dadurch ist die Gefahr, von einem Radfahrer ueberfahren zu werden groesser als die, von einem Auto angefahren zu werden!). der Radfahrer kuckte, wollte anhalten und waere fast vom Rad gekippt, weil er mir hinterherschaute. Auf einer etwas groesseren Strasse kamen dann die Japanerinnen und wir mussten uns mit ihnen fotografieren lassen. Eigentlich muessten wir dafuer fast Geld verlangen. So koennten wir unsere Urlaubskasse durchaus aufbessern.
Und dann ging es auch schon mit dem Taxi zurueck ins Hotel. Zum Glueck, denn die Schuhe zum Kimono sind nicht gerade bequem. Und ich weiss jetzt, warum Japaner es so schick finden ueber den Onkel zu laufen. Im Kimono und diesen Schuhen kann man einfach gar nicht anders laufen.
So, jetzt muss ich noch Koffer packen, denn morgen frueh verlassen wir Kyoto und fahren mit dem Shinkansen zur naechsten Station. Erstmal sehen, ob ich die sich anhaeufenden Mitbringsel ueberhaupt noch in meine Reisetasche bekomme. Langsam muss ich mich echt zurueck halten!
Also denne... さいなら bis morgen
Dienstag, 13. November 2007
Wie man Japaner verbluefft....
Eingestellt von
Tini
um
13:22
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