Die 1000 Jahre alte Kaiserstadt Kyoto gruesst Deutschland.
Wir sind heute in dieser kulturtraechtigen Stadt geblieben. Kein Wunder, denn hier gibt es ja auch tausende Sachen zu sehen. 1/3 des gesamten japanischen Kulturschatzes ist hier zu finden. Dazu noch ueber 1600 buddhistische Tempel und 260 Shintoschreine. Wenn wundert es da, dass wir heute davon etwas zu sehen bekamen.
Zunaechst fuhren wir zum Ryuanji Tempel. Uebersetzt heisst das soviel wie "Der Tempel in dem der Drachen ruht". Dabei handelt es sich um einen Meditationstempel. Davor ist der beruehmte Steingarten.
Steingarten deshalb, weil die Anlage keinen Teich hat und keine Pflanzen hat. Der Garten wird nur durch Steine gestaltet. Der Kies symbolisiert das Meer, die Steine die Inseln. In diesem Garten kann man von der Meditationsterasse aus 15 solcher Steine sehen (15 bedeutet Vollkommenheit). Nun ist der Garten aber so angelegt, dass man von jedem Blickwinkel aus nur 14 Steine erblicken kann. Es gibt nur eine Stelle, von der aus man alle 15 sieht und wenn man diese Stelle findet, dann ist man quasi vollkommen.
Hinter dem Tempel gibt es noch einen kleinen symbolischen Brunnen. Dieser traegt Schriftzeichen, die bedeuten: "ich weiss, dass ich immer zufrieden bin".
Von meinem Hotelzimmer aus habe ich den Blick direkt auf den Daimonjiyama "der grosse Berg". Dieser Berg besitzt eine Lichtung, die in Form des Schriftzeichens "gross" hat. Am Fusse dieses Berges lag unser naechstes Ziel......naemlich das mit Abstand schoenste Gebaeude, welches ich je in meinem Leben gesehen habe. DER GOLDENE PAVILLION
1955 nach den Originalplaenen (!!) wieder aufgebaut, da durch Brandstiftung zerstoert. Und 1987 restauriert. Das gesamte Gebaeude ist von insgesamt 20 kg Blattgold ueberzogen. Das Gold wuerde aber nicht so glaenzen, wenn sich darunter nicht die 60 Lackschichten befinden wuerden. Davon sind die letzten Schichten schwarz, wodurch das Gold erstrahlt. Insgesamt wurden 1,5 Tonnen Lack fuer den Pavillion verwendet. Auf dem Dach trohnt ein Phoenix (als Gluecksbringer). Der wurde sogar 5 mal mit Gold ueberzogen, damit er so strahlt. Kosten der Restauration damals (1987) 7 Mio Euro.
Die Eintrittskarte des Pavillions ist uebrigens ein Gluecksbringer fuer Familienfrieden.
Aber einfach nur genial. Man kann sich daran nicht satt sehen.
Dann mussten wir aber schon weiter. Zum Nijo-jo (das Nijo-Schloss).
Dabei handelt es sich um die Audienzhalle der Shogune von Kyoto. Alle Zimmer sind mit Wandgemaelden der Gebrueder Kano (Begruender der Kano-Schule) verziert. Zum Teil befinden sich Puppen in den Raeumen, um eine Audienz nachzustellen. Um den gesamten Komplex fuehrt ein Korridor, der Nachtigallenkorridor. Der heisst so, weil man nicht lautlos auf ihm laufen kann. Naegel (??) reiben aneinander und verursachen ein Quietschen, das wie das Tschilpen der Nachtigall klingen soll (mit viel Fantasie). Der Korridor wurde so gebaut, damit keine Eindringlinge nachts den Gang entlang schleichen koennen um womoeglich den Shogun zu toeten. Eine Art antike Alarmanlage also. Der Korridor ist 450 m lang.
1868, zu Beginn der Meiji-Restauration, gab in diesem Schloss der Shogun seine Macht an den Kaiser zurueck. Das Haus fiel damit der Kaiserfamilie zu.
Nach einem reichhaltigen Mittagessen (es gab Huehnchen) fuehren wir zu einer Marktstrasse. Ein Paradis fuer Koeche. Man findet hier einfach alles: Gemuese, Fisch, Fleisch, Gewuerze, Suesses..... nur kein Brot (weil so was haben die hier nicht). Aber alle Waren sind fein saeuberlich auf den Auslagen sortiert. Die Fische in Faecher gelegt. Alles fein saeuberlich in Plastik eingepackt. Nix durcheinander.
Aber n bissl komische Sachen haben die auch. Also die Gewuerze sind ja schon komisch. Aber ein totales Highlight waren die Spatzen am Spies! Die essen tatsaechlich gegrillte Spatzen! Und dann lag da noch sowas wie Holzstuecke in einem Fischladen. Das waren getrocknete Bonito (Fisch). Die raspelt man dann und kocht sie in der Miso-Suppe (wovon ich immer noch kein Freund geworden bin).
Aber leckere Naschereien habe ich gekauft. So eine Art Zimtstangen.... und danach hatte ich sofort wahnsinnig Appetit auf Gluehwein. Dazu war es heute noch verregnet und frisch, das machte noch mehr Appetit.
Weiter ging es in den Nijiunigendo (den 33 Gen Tempel). Gen ist eine alte (??) Masseinheit in Japan. Der Tempel ist also 33 Gen lang, so ca 108 m. Der Tempel ist nach Osten ausgerichtet und zweigeteilt. In der Mitte sitzt eine grosse Botisatwa Figur. Rechts und links von ihr jeweils 500 weitere ca 160 cm grosse Botisatwa Figuren. Allesamt aus Holz und vergoldet. Das macht insgesamt 1001 Figur. Die Gottheiten werden von 28 Temeplwaechtern beschuetzt. Die staerksten unter den Waechtern sind die beruehmten Figuren die den Gott des Donners (im Norden) und den Gott des Windes (im Sueden) darstellen.
Der Tempel wurde jeden Morgen vorn ueber die 108 m lange Front geoeffnet. Durch die Morgensonne strahlten die Figuren in den Hof. Dort sassen dann die Adeligen und beteten zu der Gottheit, sie sollen doch seine Seele nach dem Tod in den Himmel fuehren.
Es folgte noch ein kurzer Abstecher in den Bahnhof von Kyoto und dann zurueck ins Hotel.
Was waere noch zu berichten? Ich habe mich heute mal auf die Glucksbringer gestuerzt. Einen fuer die "Liebe" habe ich erstanden (also eher zwei, weil einen fuer Maennlein und einen fuer Weiblein) und noch einen fuer florierende Geschaefte.
Dann habe ich fuer meinen Schatz Sake gekauft. Beim goldenen Pavillion. Daher ist bei dem Sake auch Blattgold drin. Der Verkaufer meinte, das waere gut gegen Krebs....... naja wer`s glaubt. Ich fands einfach ein schickes Mitbringsel.
Und dann hab ich etwas super geiles entdeckt. Eine Plueschweste. Ich koennte die glatt von der Stange kaufen. Leider hat sie den stattlichen Preis von 33600 Yen. Soviel wollte ich ja nun nicht gerade ausgeben. Wir gehen naemlich morgen noch in andere Geschaefte und dort wollte ich mir einen Kimono kaufen. Also haengt sicherlich der Kauf der Weste davon ab, wieviel Geld ich morgen ausgebe. Ausserdem muss ich den ganzen Krempel ja auch wieder mit nach Deutschland schleifen und mein Koffer hatte bei der Herreise schon 16 kg!
Nun ja, in diesem Sinne, euch alles Gute.
Wie gefaellt euch mein Bericht bisher?
Montag, 12. November 2007
Das schoenste Gebaeude der Welt....
Eingestellt von
Tini
um
10:30
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1 Kommentar:
;-)...gefällt uns überhaupt nicht...;-)
denn wir sitzen hier bei Schneematsch und feuchtkaltem trüben Wetter, und haben weder gegrillte Spatzen noch Salzpflaumen mit Essig zur Verfügung.
Aber im Ernst, liebe Tina, in der Mittagspause wird nicht mehr gesprochen, nur noch gelesen. Und wenn Mutti dann den Tagesbericht einpackt, um ihn in Ruhe zu Hause zu lesen gibt es schonmal Protest von einem zuspätgekommenen Fahrer...Du Siehst also, alle sind im Japan-Wahn. Und ich kenne mich dank Google in der japanischen Geografie schon bestens aus.
Also halte durch und laß Dir`s gutgehen
Peter
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