Hallo. Sorry das ich mich soo lange nicht gemeldet habe. Die Erklärung dazu kommt in den folgenden Reiseberichten.
Wir schreiben also den 15.11. im Jahre 2007. Wir befinden uns in Takayama in einem Hotel am Rande der japanischen Alpen..... und ich habe sie dennoch nicht zu Gesicht bekommen. Am Morgen war es stark neblig und eiskalt.
Naja, so spare ich ein Foto auf meiner 3. Fotokarte ein. Aber schade ist es trotzdem.
Erste Station des Tages: der Marktplatz. Nun ja, wohl eher ein Marktplätzchen auf dem sich schnell mehr deutsche Touris als einheimische Kunden rum trieben. Besonderheit: es gibt dort eine Apfelsorte zu kaufen, die nur in Takayama wächst. Die wird dann auch noch speziell gekennzeichnet. Bevor die Äpfel reifen, klebt eine japanische Hilfskraft einen Aufkleber auf jeden Apfel am Baum. Diese Stelle bleibt dann bei der Reife weiß und wird nicht rot. Wenn die Äpfel abgenommen werden, dann reißt eine weitere Hilfskraft die Aufkleber wieder runter, so dass die Äpfel allesamt in japanisch direkt in der Schale beschriftet sind. Und natürlich gab es überall, wie in allen Souvenirläden in Takayama, die roten Puppen als Glücksbringer. Die roten Puppen, die stellen die alten Bauernfrauen im Winter her, wenn auf dem Hof nicht viel Arbeit ist. Sie haben kein Gesicht und sollen den Besitzer vor Dämonen schützen. Da hab ich dann sofort zugeschlagen, weil die hier wirklich handgemacht sind und nicht industriell hergestellt sind. Außerdem gab es sie günstiger, wenn man gleich 3 Stück nimmt.
Gleich hinter dem Markt befindet sich das alte Rathaus aus dem Jahre 1692. Das heißt, ursprünglich wohnte in dem Haus die Prinzessin Kanamori. Erst danach wurde es bis 1950 als Rathaus verwendet, nach dem Bau des neuen Rathauses restauriert und ist heute nun ein Museum. Prinzessin Kanamori war die Tochter irgendeines Shoguns. Daher befinden sich im Haus in der Eingangshalle überall Tapeten mit blauen Wellen. Dieses Design durfte nur in den Familienhäusern der Shogune benutzt werden. In den vielen weiteren Räumen des Hauses bekommt man wirklich einen Einblick, wie die Prinzessin gelebt haben muss. In den Gasträumen sieht man noch in den Nischen (die sich immer in den Gasträumen befinden) die Hängebilder. Diese müssen der Tradition nach immer der aktuellen oder der kommenden Jahreszeit angepasst werden. Man sieht auch wie das Teewasser über der Feuerstelle (die sich ohne Abzug mitten im Raum befindet!!) heiß gemacht wird.
Wie überall in solchen Sehenswürdigkeiten mussten wir auch hier bei der Besichtigung die Schuhe ausziehen. In japanischen Häusern liegt ja normalerweise kein Teppich, sondern nur diese Tatamis. Auf Socken, bei 5 Grad in einem zugigen Museum (überall waren die Türen geöffnet).... na bravo. Im Handumdrehen hatten alle Eisfüße. Mich wundert eigentlich nur, dass ich mich nicht sofort erkältet habe!
Nachdem unsere Füße in unseren Schuhen gerade etwas aufgewärmt waren, mussten wir aus dem warmen Bus auch schon wieder aussteigen. Wir waren beim Dorf Ogimachi in Shirakawa-gō angekommen. Das ist ein altes Bauerndorf, heute aber ein Museum. Rund um Takayama bis hin nach Suwa gibt es viele Stauseen. Beim Bau der Stauseen wurde viel Bauland durch Enteignung gewonnen. Auf dem Platz eines der Stauseen befand sich nun ein richtiges altes und erhaltenes Bauerndorf. Das Dorf zu zerstören empfanden zum Glück einige Japaner als schade und so wurde es abgebaut und hier in Sirakawa-go originalgetreu wieder aufgebaut. 1995 wurde es sogar wegen der einzigartigen Bauweise der Häuser zum Weltkulturerbe ernannt. Leider hatten wir auch hier zu wenig Zeit uns alle Häuser anzusehen. Man kann nämlich alle Häuser auch von innen besichtigen (das heißt natürlich wieder Schuhe aus). Aber das war echt interessant zu sehen, wie die Japaner einst gelebt haben. Vor allem die Hausschreine hatten es mir angetan.
Danach erlebten wir eine richtige Teezeremonie. Das ist ja in Japan sehr wichtig. In der Teestube, die wir besuchten, durften wir sehr kostbare Tassen benutzen. Sie werden von japanischen Künstlern hergestellt. Also für den Europäer, der jetzt hauchdünne Porzellantassen erwartet, sind die eher eigentümlichen Steingutbecher erstmal seltsam. Kaum zu glauben, dass die Dinger ein Vermögen wert sein sollen (eine Tasse um die 200 Euro und mehr, also nicht fallen lassen!). Es ist halt japanische Töpferei, die nichts mit deutschen Tassen zu tun hat.
Um richtig Tee zu trinken nimmt man die Tasse immer in beide Hände. Die eine Hand legt man flach an die Unterseite der Tasse. Mit der anderen Hand hält man sie seitlich und führt sie zum Mund. Da die Tasse sehr wertvoll ist und immer eine Schmuckseite besitzt, muss man auch darauf achten diese Seite den anderen Gästen oder dem Gastgeber zuzudrehen, damit er von der Schönheit profitieren kann. Aber zunächst einmal muss der Tee zubereitet werden. Das ist auch eine wahre Kunst und man braucht wenigstens 10 Jahre um zum Teemeister aufzusteigen (mindestens ein Jahr um die Zubereitungsregeln zu lernen, dann muss man noch Teepflanzen kennen und und und). Es geht hier nicht einfach ums Aufbrühen eines Tees. Nein, zunächst einmal hat die Zeremonie viel mit Schintoismus zu tun. Daher gibt es zahlreiche Regeln, die man bei der Zubereitung beachten muss. Auch ist der Tee kein Blättertee, sondern Teepulver. Dazu muss man ganz junge Triebe der Teepflanze schneiden und trocknen. Danach wird das Ganze zermahlen. Da sich dieses Pulver nur schlecht auflöst, wird der Tee auch mit einer Art Holzschneebesen (sieht aus wie ein Rasierpinsel) aufgeschäumt. Für den europäischen Geschmack vielleicht nicht das Wahre, aber ich muss sagen, mir schmeckt dieses Gebräu. Der Tee ist außerdem sehr gesund, weil man ja sozusagen die Teeblätter, die viele Vitamine enthalten, mitisst.
Bei der Teezeremonie bekommt man nun zunächst eine Süßigkeit während eine „Teepriesterin“ vorne den Tee zubereitet. Dann bekommt man eine Schale gereicht und verbeugt sich dankend (wir sitzen dabei auf dem Boden, also Verbeugung weit nach vorn und Danke sagen). Danach nimmt man die Tasse, dreht die Schmuckseite zum linken Nachbarn und fragt ihn höflich, ob er erlaubt, dass man zuerst trinkt (in der Regel, hat der Nachbar seine Tasse noch nicht, denn jede Tasse wird einzeln zum Gast gebracht). Der Nachbar antwortet „Bitte“ und dann nimmt man die Tasse und darf endlich trinken. Den Rest des Teeschaumes darf man ausschlürfen.
Nach diesem Erlebnis nahmen wir den Abo Pass (???) durch die japanischen Alpen nach Nagano und weiter zum Suwasee. Die Seeoberfläche befindet sich auf 759 m üer dem Meeresspiegel. Die Oberfläche des Sees ist 12,9 km² (24. Rang in Japan), der Umfang beträgt 17 km, die maximale Tiefe 7,6 m. Also nicht sehr tief. Auch gibt es hier viele Thermalquellen. Da wir gut durch den Verkehr gekommen sind, hatten wir noch Zeit den „Niederen Suwa Schrein“ zu besuchen. Sein eigentlicher Name ist Shimo-sha, er befindet sich im Dorf Shimosuwa im Landkreis Suwa. In ihm werden das Götterpaar und Koto-shiro-nushi (ein weiterer Sohn Ō-kuni-nushis) als Kami verehrt. Er besteht aus zwei honden (Haru-miya (Frühlings-Schrein) und Aki-miya (Herbst-Schrein)), in denen die Kami jeweils sechs Monate im Jahr verweilen und dann in einem frohen Fest (O-fune-matsuri) am 1. Februar bzw. am 1. August in den anderen getragen werden.
Aller 6 Jahre (nämlich im Jahr des Tigers und im Jahr des Affen) gibt es ein schintoistisches Fest, bei dem vier mindestens 16 m hohe Tannen von einem Berg zum Niederen und zum Oberen Schrein transportiert werden. Sie werden an den vier Himmelrichtungen rund um den Schrein aufgestellt. Der Mythologie nach wohnen auf den Spitzen der Tannen die Seelen der Götter und auf diese Weise, werden die Seelen in den Schrein geholt.
Auf dem Gelände des Niederen Schreins befindet sich nun wieder eine dieser Kiefern mit drei Nadeln (es gibt nur zwei Orte in Japan, wo diese Kiefer wächst – also hier und auf dem Koya-san).
Danach fuhren wir ins Hotel.... also vielmehr in den Ryokan. Das ist eine japanische Herberge. Zunächst einmal mussten wir am Eingang unsere Schuhe abgeben. Und man bekommt sie nicht wieder! Will man also spazieren gehen, zum Beispiel zum See, dann muss man Holzsandalen anziehen. Und das bei 5 Grad, denn hier am See ist es doch ziemlich frisch. Aber mal ehrlich, wer geht schon in Getas (so heißen die Dinger) spazieren? Das Zimmer ist eigentlich sehr groß und mit Bad (obwohl ich die Türe nicht zumachen kann, da ich mit den Knien an die Wand stoße, wenn ich auf dem Klo sitze). Natürlich gibt es wieder kein Bett. Im Zimmer steht nur ein niedriger Tisch. Aber ein Fernseher ist im Zimmer. Und der wurde genutzt das aktuelle Sumoturnier weiter zu verfolgen.
Danach gab es Abendessen.... auch ein Erlebnis. Denn in einem Ryokan gibt es natürlich rein japanisches Essen..... also Fisch und als Beilage Fisch und dazu noch mal Fisch. Man bot uns sogar an, den einen Fisch gleich mit Kopf und Schwanz zu verzehren. Zum Glück gab es noch Entenfleisch! Das hat mir den Abend gerettet. Und Stephan war so lieb seine Ente gegen meinen Fisch zu tauschen.
Als Abschluss zum Essen brachte uns die Reiseleitung Kraniche falten bei. Das war lustig. Weil sich einige doch etwas..........sagen wir ungeschickt anstellten.
Tja, damit wären die Ereignisse dieses Tages erzählt.
Eines noch.... ich habe mehrmals vom Fisch des Abendessens profitiert. Als ich auf dem Zimmer war wurde mir schlecht und ich saß bis zwei Uhr morgens auf dem Klo. Dann war es noch sehr warm im Zimmer (man konnte natürlich die Fenster mal wieder nicht öffnen) und ich habe ziemlich schlecht geschlafen.
Im Ryokan gab es weder einen Computer noch Internet. Daher konnte mein Reisebericht auch erst jetzt nachgetragen werden.
Mittwoch, 21. November 2007
Von Takayama nach Suwa
Eingestellt von
Tini
um
20:58
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