Der Morgen war sonnig, aber kalt. Macht nix. Wir wurden für die Kälte von einem klaren Blick auf den Fuji belohnt.
Erste Station heute: die Schwefeldampffelder von Hakone (Owakudani - „großes kochendes Tal). In den Bergen entspringt dort aus zahlreichen Quellen heißes Schwefelwasser. Überall riecht es nach faulen Eiern. Das schlimme ist, dass sie dort auch noch Eier verkaufen! Die Eier werden in dem heißen Schwefelwasser gekocht und werden dadurch schwarz. Isst man ein solches Ei soll man angeblich 7 Jahre länger leben. Eine gute Nachricht für die Raucher also, die auf diese Weise ihr durch Rauchen verkürztes Leben wieder verlängern können. Also ausprobiert hab ich es nicht, denn die Eier gab es nur im 6er Pack und was will ich 42 Jahre länger leben?
Danach ging es runter zum Ashi-See. Von Hakone aus nahmen wir eines der Linienschiffe, die den See überqueren. Es war zwar ziemlich kalt, aber der Anblick der Herbstlandschaft war schon nicht schlecht.
An der dritten Station stiegen wir aus. Dort liegt eine alte Zollstation, die wir allerdings nur von außen ansahen. Früher musste hier jeder, der von Edo (Tokyo) nach Kyoto wollte über den Hakoneberg durch diese Station durch. Sollte einer erwischt werden, der nicht an dieser Zollstation vorbei ging, dann wurde das mit dem Tod bestraft! Grund: man wollte vermeiden, dass geheime Nachrichten transportiert wurden.
Wir fuhren nun mit dem Bus über den besagten Berg von Hakone ans Meer. Dort liegt gleich neben der Autobahn der Strand.... zum Glück sonnen sich die Japaner nicht. Am Strand entlang fuhren wir nach Kamakura. Kamakura war mal für kurze Zeit im 14. Jahrhundert die Hauptstadt von Japan. In Kamakura gab es Mittagessen in einem super schicken Hotel. Der Rahmen war ja ganz angenehm. Leider war wohl französische Woche und so fielen die Portionen total klein aus.
Nach dem Essen besuchten wir mit knurrendem Magen den Daibutsu und den Hachimangu Schrein. Beides hab ich ja letztes Jahr schon gesehen. Was ich noch nicht kannte war das Shichi-go-san Fest. Die Kinder werden am Shichi-go-san von ihren Eltern (und oft auch Großeltern) zum Shintō-Schrein des Ujigami der Familie begleitet. Die Kinder (und oft auch die älteren weiblichen Verwandten) sind zu dieser Gelegenheit in ihren besten, traditionellen Gewändern (Kimono) gekleidet. Am Schrein wird dann aus Dankbarkeit für das bisherige Glück und für zukünftige Gesundheit und Sicherheit gebetet. Wir haben also im Hachimangu zahlreiche kleine Püppchen gesehen, die in den schönsten Kimonos zum Schrein liefen. Natürlich waren alle Fotoobjekt Nummer eins. Unsere Reisegruppe machte sich schon fast einen Sport daraus, die Kleinen zu fotografieren.
Und dann ging es endlich nach Tokyo. Die letzten drei Nächte der Reise durften wir wieder in einem fünf Sterne Hotel nahe der amerikanischen Botschaft verbringen. Der Stadtteil Roppongi ist nicht weit von da. Die Stadt selber kannte ich ja schon ein bisschen und daher bot ich an, abends Roppongi Hills zu besuchen, da ein weiteres Abendprogramm von der Reiseleitung auch nicht geplant war. Roppongi Hills ist ein Hochhaus mitten in Tokio mit einer Plattform von der aus man 360 Grad in der Runde Tokio von oben sieht. Gesagt getan. Stephan und ich zogen also los..... natürlich in die falsche Richtung. Nach 15 Minuten merkten wir, dass wir auf dem Plan gar nicht da waren, wo wir eigentlich hin wollten. Eine nette Japanerin eilte uns zu Hilfe und erklärte uns den Weg auf Englisch. Wir bedankten uns auf Japanisch. Daraufhin war sie so begeistert, dass sie uns den Weg noch einmal auf Japanisch erklärte..... das war der Punkt, wo ich wieder mal nur Bahnhof verstand. Stephan nickte jedoch eifrig. Wir gingen den Weg also quasi wieder zurück.
Nach einer Weile kamen wir an eine viel befahrene Kreuzung. Mitten auf der Kreuzung stand ein Taxi...... eigentlich ganz normal. Nur dann fuhr der Typ plötzlich rückwärts über die ganze Kreuzung! Und da knallte es auch schon. Keine Ahnung, wohin der Taxifahrer eigentlich fahren wollte, auf alle Fälle rammte er einen rechts abbiegenden Van volle Kanne. Beide Fahrzeuge räumten die Kreuzung und hielten an der Seite an. Der Taxifahrer kam auch gleich zum Van rüber gelaufen und wäre auf der Kreuzung selbst fast noch überfahren worden. Noch ein lebensmüder Japaner in Tokio!
Nach 40 Minuten laufen kamen wir dann endlich bei Roppongi Hills an und genossen auch die Aussicht. Noch ein schnelles Sushi im Restaurant und wieder zurück ins Hotel. Im Restaurant haben wir einen Amerikaner aus Kalifornien kennen gelernt. Mit dem haben wir dann eine Weile gequatscht und uns für nächstes Jahr im gleichen Restaurant verabredet. Wir werden sehen, ob das klappt.
Im Hotel wollte ich dann endlich die drei Tage Reisebericht nachholen. Ich ging an die Rezeption und fragte freundlich nach einem Computer. Man sagte mir, dass es einen Computer im Hauptgebäude gibt (das Hotel war in zwei Häuser geteilt und wir waren im Südflügel untergebracht). Aha. Im Hauptgebäude angekommen sagte man mir aber dann, dass der Computer im Businessraum steht. Und der Businessraum ist am Wochenende geschlossen. Ich solle mich beim Assistent Manager melden um den Schlüssel eventuell zu bekommen. Der war aber nicht da. Frustriert ging ich aufs Zimmer und von dort aus in die Bar.
In der Bar gab es dann auch noch ein schönes Schauspiel. Neben uns saß ein japanisches Paar. Wahrscheinlich hatte der Japaner die junge Frau wohl abgeschleppt und zum Trinken eingeladen. Und er war nun stockbesoffen und schnarchte auf seinem Barhocker. Ab und zu kippte der Kopf nach hinten. Dann wieder nach vorn. Dann nahm sie ihm freundlicherweise die Brille ab, so dass er es bequemer hatte. Wir haben uns köstlich über die beiden amüsiert.
Das entschädigt etwas für den Computer. Eigentlich wollte ich ja nicht nur den Reisebericht schreiben, sondern auch Simon eine Mail schicken. Simon ist mein Sumo-Korrespondent bei sumotalk.com. Wir wollten uns ja in Tokyo treffen und in einer Bar Sumo schauen. Wenn ich schon mal da bin. Und nun hatte ich keine Möglichkeit ihn zu kontaktieren, weil ich auch seine Telefonnummer nicht hatte.
Mal ehrlich ein 5 Sternehotel und keine Möglichkeit das Internet zu nutzen...... das alles in Tokyo, der Stadt der Technik......... aber ein eigener Faxapparat in meinem Zimmer, der mir absolut gar nix nutzt!
Mittwoch, 21. November 2007
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Eingestellt von
Tini
um
21:17
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