Samstag, 24. November 2007

Noch 2 Erlebnisse

Nachdem mich nun alle Welt nach meinen Erlebnissen ausfragt ist mir aufgefallen, dass ich zwei Anekdoten in meinen Berichten völlig vergessen habe. Das möchte ich noch nachholen.

Das erste Erlebnis war in dem Ryokan, in dem wir übernachteten. Wie schon gesagt, die Badbox war so klein, dass ich mit den Knien an die Wand stieß, wenn ich auf dem Klo saß. Daher lies ich immer die Türe offen um bequemer sitzen zu können. So auch am Freitag Morgen. Die Zimmertüre hatte ich vorsorglich zugeschlossen, die Badtüre offen und ..... . Plötzlich macht sich jemand an der Zimmertüre zu schaffen. Naja, dachte ich, sie ist ja zum Glück zugeschlossen. Dann kuckte ich aber schon nicht schlecht, als jemand die Türe mit einem Schlüssel öffnete. Es war das "Zimmermädchen" (es war ein älterer Herr mit Mundschutz und Handschuhen!), der mich da auf dem Klo überraschte. Er kuckte kurz und fragte mich auf japanisch ob er das Bett (den Futon) wegräumen darf. Ich muss wohl ziemlich entgeistert geschaut haben (vor allem weil er Zimmertüre sperrangelweit offen lies!) und konnte nur "dozo" (bitte schön) sagen. Er ging also in aller Seelenruhe ins Zimmer und fing an das Bett abzuziehen und wegzuräumen. Kopfschüttelnd ging ich dann zum Frühstück.

Das zweite Erlebnis war in Nikko. Unsere Reisegruppe stand gerade am Eingangstor und wartete darauf, dass ein Angestellter des Toshogu Schreins uns durchzählte. Von hinten kam eine kleine Gruppe Japaner mittleren Alters. Die hatten sich wohl schon morgens zum Frühstück einen ordentlichen hinter die Binde gekippt (oder es war vom Vortag?) auf jeden Fall kamen sie leicht schwankend und mit einer Alkoholfahne angetrottet. Einer fiel auf der Treppe zum Eingangstor auf die Nase. Wir feixten nur. Dann kam er direkt auf Stephan, der neben mir stand, zu. Dazu muss ich erwähnen, daß Stephan (unsere Fledermaus - grins) immer in schwarz gekleidet war - schwarzer Mantel, schwarze Hose, schwarze Schuhe, schwarzer Hut. Auch für Japan eine recht spektakuläre Kleidung. Der Japaner, der sich Sekunden zuvor noch auf der Treppe gesielt hatte, kam direkt auf Stephan zu und gab ihm die Hand. Das schien dem Rest der japanischen Männer zu gefallen, auf alle Fälle lachten alle über diesen „Gag“. Unsere Reisegruppe (da wir immer noch warten mussten) lies dann die kleinere Gruppe Japaner vorbei. Der letzte der Gruppe blieb neben Stephan stehen, schaute mich an, zeigte auf mich und fragte Stephan auf Japanisch ob ich seine Freundin wäre. Stephan schaute mich an, grinste bloß und meinte "Iie" (nein). Daraufhin schaute der Japaner wieder zu mir und sagte "Kawaii" (niedlich). Ich deutete eine höffliche Verbeugung an und sagte "domo arrigato gozai masu" (vielen lieben Dank). Da war der Japaner völlig entsetzt. Er hatte weder damit gerechnet, dass Stephan Japanisch verstand, noch damit, dass ich ihn verstand. Und das war ihm sehr sehr peinlich. Entsetzt drehte er sich um, lief im Laufschritt zu seiner Gruppe und murmelte, sich noch mal umdrehend, so was wie "die verstehen ja Japanisch".Der Rest unsere Reisegruppe kam zu mir und fragte mich nun, was los gewesen wäre. Die glaubten wahrscheinlich alle, ich hätte den Japaner beleidigt oder so was, weil er gleich weglief. Jedenfalls bildete dieses Thema auch noch Gesprächsstoff während unseres letzten Abendessens. Eine unserer Mitreisenden erzählte die Geschichte unserer Reiseleitung die mich daraufhin anschaute und meinte ich wäre wirklich "kawaii".

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