Freitag, 8. Februar 2008

Hakodate

Also heute bin ich direkt ein wenig stolz auf mich. Ich habe ohne Netz und doppelten Boden wieder zurueck ins Hotel gefunden. Das war gar nicht so einfach, denn ich war in Hakodate ohne Stadtplan unterwegs.
Los ging es aber erstmal heute morgen. Recht frueh sogar, denn ich wollte nicht allzu spaet in Hakodate ankommen. Mit dem Zug faehrt man von Chitose aus fast 3 1/4 Stunden. Das ist eine ganze Menge. Die Zugfahrt ist aber sehr schoen. Man faehrt direkt an der Kueste entlang nach Sueden. Hat also auf seiner Linken den Ozean und auf der Rechten die zerkluefteten und schneebedeckten Berge Hokkaidos.


In Hokodate angekommen ging ich erstmal weiter gen Sueden,was sich sogar als richtig heraus stellte. Am westlichen Ufer entlang kommt man an zahlreichen Backstein Lagerhaeusern vorbei. Hakodate ist der naechstgelegenee Hafen zur Hauptinsel Honshu und war daher schon immer ein wichtiger Umschlagplatz fuer Waren. Heute befinden sich zahlreiche Laeden in den Lagerhaeusern, wie eine Art Einkaufszentrum.
Ich orientierte mich dann weiter Richtung Berg Hakodate, denn vom Fusse des Berges aus kommt man mit einer Drahtseilbahn in 3 min auf den Berg selbst. Zunaechst aber noch ein kurzer Fotostop vor einem Tempel, dem Higashihongan-ji.
Hakodate higashihongan-ji Temple
Und bevor man zur Drahtseilbahn kommt geht man auch mehr oder weniger an der Motomachi roemisch-katholischen Kirche und der russisch-orthodoxen Kirche vorbei. Es ueberrascht schon etwas zwei solche Bauwerke hier zu sehen, aber auf vielen touristischen Hinweisschildern sieht man kiryllische Schriftzeichen, was darauf hinweist, dass sich von Zeit zu Zeit wohl auch russische Touristen hierher verirren. Vielleicht oefter als Deutsche, denn ich wurde heute von fast allen Einwohnern misstrauisch und erstaunt betrachtet. Scheinbar sehen die Menschen hier nicht viele Europaerinnen allein unterwegs.
Dann also ab zur Drahtseilbahn. Die Dame am Kartenverkauf sprach natuerlich kein English. Was mich vor das Problem stellte zu erfragen, wann denn die naechste Bahn faehrt. Es dauerte eine Weile bevor ich das Japanische Schild mit der Uhr verstand. Es wurde naemlich angezeigt, wann die naechste Bahn faehrt, in welchen Abstand sie fahren und wann die letzte Bahn faehrt. War nicht so einfach zu durchschauen aber da der Abstand zwischen zwei Bahnen heute gerade mal 10 min betrug, musste ich nicht lange warten.
So kam ich dann fuer den moderaten Preis von 1160 Yen (Hin- und Rueckfahrt) in den Genuss einer atemberaubenden Aussicht ueber Hakodate und rundherum auf den Ozean. Bei Dunkelheit ist der Blick sicher nochmal so toll, da man Hakodate auch die Stadt der Lichter nennt.
Wieder unten angekommen zog ich weiter nach Osten. Naechste Station der Gokoku Schrein. Seltsamerweise scheint es den Shinto Goettern allen zu kalt zu sein, denn alle Schreine die ich bisher gesehen habe sind geschlossen. Anschliessend bin ich weiter durch den Hakodate Park zum Hakoate Hachimangu Schrein. Dort habe ich sogar einen Shintopriester erblickt, also sind die Tempel doch besetzt. Leider haben nicht einmal die schreineigenen Verkaufsstaende von Gluecksbringern auf.
Das Hinweisschild am Fusse des Schreins zeigte, dass es bis zum Denkmal der gefallenen Krieger des Tokugawa Shogunats noch 300m sein sollten. Waren es wohl auh, allerdings ging es wieder ein Stueckchen auf den Berg Hakodate und in den Wald. Das Denkmal wurde zu Ehren der Krieger errichtet, die beim Kampf um Hakodate fuer den Tokugawa Shogun gefallen waren. Eigentlich sollten sie, weil sie Rebellen waren, nicht beerdigt werden und haben nachtraeglich dieses Denkmal errichtet bekommen.
Eine Waldstrasse fuehrte mich dann noch 1200 m weiter oestlich zum Kap Tachimachi. Man laeuft durch den Wald und kann dabei die Kueste entlang das Meer sehen. Ein Ausblick, der sich ebenfalls lohnt. Ploetzlich tauchten am Strassenrand Graeber auf. Sie stehen genau an den steilsten Stellen des Berges Hakodate und bieten somit ein malerisches Panorama fuer die Ahnen, die dort ihre letzte Ruhestaette gefunden haben.

Am Ende der Strasse liegt die Aussichtsplattform des Kaps Tachimachi, von der aus man einen tollen Blick auf die zerklueftete Kueste hat. Am Ende der Waldstrasse war alledings auch eine grosse Schranke, die darauf hinweisen sollte, dass die Strasse eigentlich gesperrt war.....
Ich bin weiter entlang der Kueste zu einer Art versteckter Treppe gegangen. Dort stand zwar ein grosses Schild mit roten Zeichen... aber da ich kein Japanisch lesen kann interpretierte ich es als "Betreten auf eigene Gefahr". Die Neugierde siegte und so fand ich mich am Ende der Treppe direkt am Wasser wieder.
Ein Blick auf die Uhr und ich entschied, dass ich langsam zurueck gehen sollte, sonst verpasse ich den Zug zurueck. Also die Treppe raus und die naechste Strasse gen Norden..... nun lief ich direkt durch den Friedhof. Von der Waldstrasse aus hatte ich nur ein paar vereinzelte Graeber gesehen, tatsaechlich liegt hier aber der gesamte Friedhof von Hakodate! Am Ende der Strasse dann... ein Schranke..... Betreten des Friedhofs verboten..... ehmm nun ja. Irgendwie musste ich ja schliesslich zurueck in die Stadt, oder??
Tja, den Bahnhof habe ich dank vieler Strassenschilder recht einfach wieder gefunden und bin 16.43 Uhr zurueck nach Chitose. Diesmal wurde ich sogar vom Schaffner kontrolliert. Das ist allerdings ueberfluessig, denn ohne Fahrkarte, kommt man gar nicht durch die elektronischen Schranken am Eingang zu den Gleisen. Vor allem ueberwacht auch noch das Bahnhofspersonl mit Adleraugen die Schranken.
Im Limited Express kommt sogar ab und an eine Angestellte mit ihrem Wagen voller Suessigkeiten und Getraenken vorbei. Das Witzige: Japaner muessen sich ja immer verbeugen. Also auch die Angestellte mit ihrem Wagen. Sie stellt den Wagen ab, dreht sich um, verbeugt sich und geht erst dann aus dem Wagon.
Und... der japanische Verpackungswahnsinn hat wieder zugeschlagen. Ich habe heute Trockenpflaumen gekauft. Die sind in einem Plastikbeutel eingeschweisst. Und in dem Beutel ist jede Pflaume noch einmal einzeln eingeschweisst. Was machen die Japaner nur mit dem ganzen Muell???
So, nun bleiben nur noch zwei Tage und ich muss mich zwischen den vielen Zielen hier entscheiden. Leider habe ich wohl nicht die Zeit bis in den Norden zu fahren. Da bin ich mindestens 4 Stunden mit dem Zug unterwegs. Dazu reicht einfach meine Zeit nicht. Na mal sehen....

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